Schlaf und Tod, die düstern Adler
Umrauschen nachtlang dieses Haupt:
Des Menschen goldnes Bildnis -
Verschlänge die eisige Woge
Der Ewigkeit.
An schaurigen Riffen
Zerschellt der purpurne Leib
Und es klagt die dunkle Stimme
Über dem Meer.
Schwester stürmischer Schwermut
Sieh ein ängstlicher Kahn versinkt
Unter Sternen,
Dem schweigenden Antlitz der Nacht
Über den weißen Weiher
Sind die wilden Vögel fortgezogen.
Am Abend weht von unseren Sternen ein eisiger Wind.
Über unsere Gräber
Beugt sich die zerbrochene Stirne der Nacht.
Unter Eichen schaukeln wir auf einem silbernen Kahn.
Immer klingen die weißen Mauern der Stadt.
Unter Dornenbogen
O mein Bruder klimmen wir blinde Zeiger gen Mitternacht.
Da ich nachtwandelnd an steinernen Zimmern hinging und es brannte in jedem ein stilles Lämpchen, ein
kupferner Leuchter, und da ich frierend aufs Lager
hinsank, stand zu Häupten wieder der schwarze Schatten der Fremdlingin und schweigend verbarg ich das
Antlitz in den langsamen Händen. Auch war am
Fenster blau die Hyazinthe aufgeblüht und es trat auf die purpurne Lippe des Odmenden das alte Gebet,
sanken von den Lidern kristallne Tränen geweint um
die bittere Welt. In blauen Schauern kam vom Hügel der Nachtwind, die dunkle Klage der Mutter. Leise
trat aus kalkiger Mauer ein unsägliches Antlitz, ein
sterbender Jüngling. Mondesweiß umfing die Kühle des Steins die wachende Schläfe, verklangen die Schritte
der Schatten auf verfallenen Stufen, ein rosiger
Reigen im Gärtchen. Aus verwesender Bläue trat die bleiche Gestalt der Schwester und also sprach ihr
blutender Mund: Stich schwarzer Dorn.
Ach noch tönen von wilden Gewittern die silbernen Arme mir. Fließe Blut von den mondenen Füßen, blühend
auf nächtigen Pfaden, darüber schreiend die
Ratte huscht. Aufflackert ihr Sterne in meinen gewölbten Brauen; Einbrach ein roter Schatten mit flammendem
Schwert in das Haus, floh mit schneeiger
Stirne. O bitterer Tod. Die Schatten der Ulmen fielen auf mich, das blaue Lachen des Quells und die
schwarze Kühle der Nacht, da ich ein wilder Jäger
aufjagte ein schneeiges Wild; in steinerner Hölle mein Antlitz erstarb. Und schimmernd fiel ein Tropfen
Blutes in des Einsamen Wein; und da ich davon trank,
schmeckte er bitterer als Mohn; und eine schwärzliche Wolke umhüllte mein Haupt, die kristallenen Tränen
verdammter Engel; und leise rann aus silberner
Wunde der Schwester das Blut und fiel ein feuriger Regen auf mich.
Am Saum des Waldes will ich ein Schweigendes gehn, dem aus sprachlosen Händen die härene Sonne sank;
ein Fremdling am Abendhügel, der weinend
aufhebt die Lider über die steinerne Stadt; ein Wild, das stille steht im Frieden des alten Hollunders;
o ruhlos lauscht das dämmernde Haupt, oder es folgen
die zögernden Schritte der blauen Wolke am Hügel, ernsten Gestirnen auch. Es ängstigt in schwarzer Windesstille
die blaue Klage des Wildbachs. Aber da
ich den Felsenpfad hinabstieg, ergriff mich der Wahnsinn und ich schrie laut in der Nacht; und da ich
mit silbernen Fingern mich über die schweigenden
Wasser bog, sah ich daß mich mein Antlitz verlassen. Und die weiße Stimme sprach zu mir: Töte dich!
Seufzend erhob sich eines Knaben Schatten in mir und sah mich strahlend aus kristallnen Augen an, daß
ich weinend unter den Bäumen hinsank, dem
gewaltigen Sternengewölbe. Friedlose Wanderschaft durch wildes Gestein ferne den Abendweilern, heimkehrenden
Herden; ferne weidet die sinkende Sonne
auf kristallner Wiese und es erschüttert ihr wilder Gesang, der einsame Schrei des Vogels, ersterbend
in blauer Ruh. Aber leise kommst du in der Nacht, da
ich wachend am Hügel lag, oder rasend im Frühlingsgewitter; und schwärzer immer umwölkt die Schwermut
das abgeschiedene Haupt, erschrecken
schaurige Blitze die nächtige Seele, zerreißen deine Hände die atemlose Brust mir. Da ich in den dämmernden
Garten ging, und es war die schwarze Gestalt
des Bösen von mir gewichen, umfing mich die hyazinthene Stille der Nacht; und ich fuhr auf gebogenem
Kahn über den ruhenden Weiher und süßer Frieden
rührte die versteinerte Stirne mir.
Sprachlos lag ich unter den alten Weiden und es war der blaue Himmel hoch über mir und voll von Sternen;
und da ich anschauend hinstarb, starben Angst
und der Schmerzen tiefster in mir; und es hob sich der blaue Schatten des Knaben strahlend im Dunkel,
sanfter Gesang; hob sich auf mondenen Flügeln über
die grünenden Wipfel, kristallene Klippen das weiße Antlitz der Schwester. Mit silbernen Sohlen stieg
ich die dornigen Stufen hinab und ich trat ins
kalkgetünchte Gemach. Stille brannte ein Leuchter darin und ich verbarg in purpurnen Linnen schweigend
das Haupt; und es warf die Erde einen kindlichen
Leichnam aus, ein mondenes Gebilde, das langsam aus meinem Schatten trat, mit zerbrochenen Armen steinerne
Stürze hinabsank, flockiger Schnee.
Hirten begruben die Sonne im kahlen Wald.
Ein Fischer zog
In harenem Netz den Mond aus frierendem Weiher.
In blauem Kristall
Wohnt der bleiche Mensch, die Wang' an seine Sterne gelehnt;
Oder er neigt das Haupt in purpurnem Schlaf.
Doch immer rührt der schwarze Flug der Vögel
Den Schauenden, das Heilige blauer Blumen,
Denkt die nahe Stille Vergessenes, erloschene Engel.
Wieder nachtet die Stirne in mondenem Gestein;
Ein strahlender Jüngling
Erscheint die Schwester in Herbst und schwarzer Verwesung.
Mich däucht, ich träumte von Blätterfall,
Von weiten Wäldern und dunklen Seen,
Von trauriger Worte Widerhall -
Doch konnt' ich ihren Sinn nicht verstehn.
Mich däucht, ich träumte von Sternenfall,
Von blasser Augen weinendem Flehn,
Von eines Lächelns Widerhall —
Doch konnt' ich seinen Sinn nicht verstehn.
Wie Blätterfall, wie Sternenfall,
So sah ich mich ewig kommen und gehn,
Eines Traumes unsterblicher Widerhall -
Doch konnt' ich seinen Sinn nicht verstehn.
Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist -
Wie traurig dieser Abend.
Am Weiler vorbei
Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.
Bei ihrer Heimkehr
Fanden die Hirten den süßen Leib
Verwest im Dornenbusch.
Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
Gottes Schweigen
Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
Auf meine Stirne tritt kaltes Metall.
Spinnen suchen mein Herz.
Es ist ein Licht, das in meinen Mund erlöscht.
Nachts fand ich mich auf einer Heide,
Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
Im Haselgebüsch
Klangen wieder kristallne Engel.
Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt.
In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.
Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer.
Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.
Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.
Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit.
Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei
Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder.
In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.
Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen.